Am 1.8.2023 fand der Hamburg Pride statt. Gerade nach dem Terroranschlag bei CSD Berlin eine Woche zuvor, kamen besonders viele Teilnehmer und auch UnterstützerInnen nach Hamburg um sich für die Queere Sichtbarkeit einzusetzen .
Die Demonstration endet am Jungfernstieg, wo traditionell das CSD-Straßenfest stattfindet. Genau gegenüber ist das Einkaufszentrum Europa Passage. Auf dem Dach flatterte die Regenbogenflagge, an zwei Eingängen aber wurden Menschen mit Regenbogenflaggen vom Security-Personal abgewiesen oder sollten die Flaggen einrollen und verstecken. Das Sicherheitspersonal ging hier teilweise nicht gerade zimperlich mit den Besuchern um. Mehrfach musste die Polizei anrücken.
Ein besondere Fall in diesem Zusammenhang ist der von Dimitrii, auf den wir zu gegebener Zeit separat eingehen werden.
Die Abweisung von Regenbogenflaggen durch die Securitymitarbeiter der Europapassage ist aber unstrittig so geschehen.
Daraufhin habe ich beim Management der Europapassage um eine Stellungnahme gebeten.
Wie konnte es dazu kommen und welche Konsequenzen sollen nun gezogen werden?
Hier das Statement des Centermanagers:
vielen Dank für Ihre Anfrage 5.8.2026 und dass Sie uns damit die Möglichkeit geben, auf die Vorwürfe zu reagieren.
Die Europa Passage hatte Ihre Sicherheitsmaßnahmen und die Anzahl der Sicherheitskräfte aufgrund des zu erwartenden hohen Besucheraufkommens im Zusammenhang mit dem CSD deutlich erhöht. Hierbei wurden parallel zu dem eingeführten Center-Sicherheitsteam zusätzliche „ortsfremde“ Sicherheitsmitarbeiter eines Subunternehmens eingesetzt. Wie wir mittlerweile wissen, resultierten hieraus unterschiedliche Wissensstände und offenbar auch Unklarheiten bei den jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, welche genauen Regelungen für den Zugang zum Center an einem Tag mit so hohen Besucherzahlen und besonderen Sicherheitsvorkehrungen gelten, und welche Gegenstände aus Sicherheitsgründen nicht mit ins Center gebracht werden dürfen.
Das „Sicherheitsproblem“ bei mitgebrachten Gegenständen stellt in aller Regel auch nicht die Fahne „an sich“ und auch nicht die damit verbundene Symbolik dar, sondern vielmehr die häufig genutzten langen Fahnenstangen aus Plastik, Holz oder Metall. Diese wurden leider in der Vergangenheit bereits mehrfach hier im Center als Hieb- bzw. Stoßwerkzeuge eingesetzt. An Tagen mit vielen Besuchern versuchen wir solche Risiken zu minimieren. Aufgrund dieser unklaren Vorgaben haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Zugangskontrollen an den verschiedenen Eingängen unterschiedlich durchgeführt. In vielen Fällen wurden diese besonders restriktiv gehandhabt. Von Seiten einiger Sicherheitskräfte wurden die Vorgaben deutlich überinterpretiert, Kompetenzen überschritten und sogar verbale und körperliche Gewalt ausgeübt. Das ist fraglos völlig inakzeptabel und so wurden bereits personelle Konsequenzen mit dem Sicherheitsunternehmen besprochen und veranlasst. Es gab darüber hinaus keine konkreten Anweisungen, insbesondere keine Anweisung, dass Fahnen, Transparente oder andere Accessoires oder Kleidungsstücke im Rahmen des CSD nicht mitgeführt oder in das Center mitgebracht werden dürfen. Sobald ich als Center Manager von diesen Unklarheiten und den in verschiedenen Fällen verweigerten Zutritten zu unserem Center erfahren hatte, habe ich umgehend reagiert und klargestellt, dass es kein Verbot für das Mitführen von Fahnen, Transparenten oder dergleichen im Center gibt. Selbstverständlich auch nicht in Bezug auf Regenbogen-Flaggen oder Flaggen mit LGBTQ+-Symbolik und somit auch keine Grundlage existiert, einzelnen Besucherinnen oder Besuchern den Zutritt zu verweigern.
Ich habe am Montagabend eine persönliche Entschuldigung formuliert und über unsere Social-Media-Kanäle veröffentlicht und versucht zu erklären, wie es zu den beschriebenen Vorfällen kommen konnte. Nach meinem Eindruck ist zumindest die Reaktion auf dieses offene Statement vorsichtig positiv und von der Hoffnung geprägt, dass jetzt auch inhaltlich alles aufgearbeitet wird. Das ist unser Ziel! Wir wollen sicherstellen, dass solche Vorfälle für die Zukunft in der Europa Passage ausgeschlossen sind. In der Zwischenzeit konnte ich Kontakt zum Team Pride-Hamburg herstellen. Insbesondere geht es hierbei einerseits darum, mich bei den Organisatoren des CSD zu entschuldigen, die Vorkommnisse aufzuarbeiten und andererseits ist dies der Versuch verlorenes Vertrauen wieder aufzubauen. Wir werden gemeinsam mit meinem Centerteam in Zukunft bessere, klarere und eindeutigere Vorgaben machen und diese kommunizieren. Zudem führen wir weitere Gespräche mit dem Sicherheitsdienstleister, um hierdurch unsere Erwartungshaltung klarer zu transportieren.
Wir möchten uns bei allen Betroffenen für das Verhalten und den entstandenen Eindruck entschuldigen und Ihnen versichern, dass die Europa Passage sich als offenes, vielfältiges und diskriminierungsfreies Haus versteht und alle Menschen willkommen heißt. Das entspricht auch unserer grundsätzlichen Haltung als Unternehmen und somit für alle von der ECE betriebenen Center: So stehen wir mit unseren Werten und unserer Unternehmenskultur für Offenheit, Toleranz, Vielfalt und Diskriminierungsfreiheit. Diversität ist für uns als international aktives Unternehmen selbstverständlich. Jegliche Form von Diskriminierung hat keinen Platz bei uns im Unternehmen und gilt für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie auch für unsere Geschäftspartner und Dienstleister. Diese Grundsätze sind auch in unserem Verhaltenskodex (Code of Conduct) festgehalten und Teil unserer Unternehmenswerte, die sie auf unserer Website einsehen können: : Code_of_Conduct_ECE_DE.pdf sowie Unternehmenskultur- ECE
Der Vollständigkeit halber erlauben Sie den Hinweis, dass die ECE ein eigenständiges Unternehmen ist und nicht zur Otto Group oder zum Unternehmen Otto gehört.
Mit freundlichen Grüßen / Kind regards
Karsten Bärschneider
Center Manager Europa Passage Hamburg
Autor / Foto: Thomas Diedrichs